Jalan Nusa Indah Blok J 1 - No.17

Puspita Loka III - 2

15321 Tangerang / BSD

Predigt:  „Unterschiedlich begabt“

Pfarrerin Jutta Seifert

Evangelische Gemeinde
Deutscher Sprache
in Jakarta


Liebe Gemeinde,

Er ist der prominenteste Holländer nach Arjen Robben: Rembrandt van Rijn, der vor 350 Jahren starb.

Heute schauen wir auf sein Bild „Paulus im Gefängnis“, das in der Staatsgalerie Stuttgart hängt. Wir sehen einen alten Paulus wie er sehr nachdenklich auf seiner Pritsche sitzt. Bücher und Schwert sind weggelegt, die linke Hand mit dem Stift ruht auf dem Geschriebenen. Sein Blick ist nach innen gerichtet.Dazu hören wir den Predigttext.


Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet.  Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, auf dass ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott kommt durch den Glauben.  Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleich gestaltet werden,  damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten. Nicht, dass ich's schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich's wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin.  Meine Brüder und Schwestern, ich schätze mich selbst nicht so ein, dass ich's ergriffen habe. Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus. 

Philipper 3, 7-14



 „Gott schenke uns ein Herz für sein Wort und ein Wort für das Herz.“Amen.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

in seiner Zelle ist es still. Paulus hat Zeit zum Nachdenken. Nachdenken über sein Leben als römischer Bürger und jüdischer Gelehrterund Zeltmacher. Leidenschaftlich im Glauben, kalt im Hass, damals als er noch Saulus war. Der an der Steinigung des ersten christlichen Diakons Stephanus teilnahm. Der dann sein Bündel packte für die Reise nach Damaskus, um auch dort die Christen auszurotten.

Saulus war mit kleinem Reisegepäck unterwegs.Heute weiß Paulus um das Gegenteil, dass der Saulus von damals vielmitschleppte:

Den Stolz auf seine Abstammung aus der Familie des ersten Königs in Israel.
Arroganz als ein Schüler des großen Rabbi Gamaliel.
Frömmigkeit, denn er kannte die Tora, er hielt sich treu an die Gesetze.
Vielleicht hatte Saulus damals auch Angst im Gepäck. Angst, dass man ihm seine Krankheit anmerkte, die ihn immer wieder überfiel wie ein Dämon, vielleicht Epilepsie?
Sorgen waren auch dabei. Was würde aus den Juden, wenn die Christensekte immer mehr Anhänger gewann? Was, wenn die Römer die Unruheblutig beendeten?

Das alles hatte Saulus damals im Gepäck.                                                                         

Dann begegnete er vor Damaskus Jesus in einem blendenden Licht, wurde blind und erkannte auf einmal klardas schwerste Gepäck in seinem Leben: Seine Unvollkommenheit, seine lebenslange Unvollkommenheit.

Und zugleich erlebt er: Gottes unvorstellbar große Gnade im aufblitzenden Licht des Christus, die ihn so annahm wie er war.

Wir sehen dieses Licht hier durch das Gitterfenster fluten und Paulus fast wie mit einem Heiligenschein umgeben. Damals wurde es für ihn Zeit, seinen Koffer neu zu packen.

Als Erstes packte er einen neuen Namen dazu:Nie mehr würde er Saulus sein. Ab jetzt war er Paulus.

Was Saulus wichtig fand, hält Paulus heute für Mist. Den erlernten Mist hat er ausgepackt und weggeworfen.

Und Neues reingepackt:Befreiende Gnade. Glauben als kindliches Vertrauen. Tiefe Dankbarkeit. Und Sehnsucht nach dem Himmel.

Das schreibt Paulus aus der Gefängniszelle an die Gemeinde in Philippi. Die ihn fragen, was wirklich wichtig ist. Woran man sich festhalten kann, wenn es schwierig wird im Leben. 

 
Schauen wir in unseren eigenen Lebenskoffer.

Im Gottesdienst zum Ferienbeginn vor 6 Wochen, haben wir in unseren Reisekoffer hineingepackt, wofür wir dankbar sind. Heute überlegen wir, was ausgemistet werden muss.

Unser Stolz. Vielleicht sind wir stolz auf unsere Bildung. Frömmigkeit. Geld. Leistung. Gesundheit. Aussehen.
Vielleicht sind wir ein bisschen arrogant. Wenn wir uns mit anderen vergleichen.
Vielleicht schämen uns, wenn wir unseren Ansprüchen und denen der anderen nicht genügen. Vielleicht strengen wir uns sehr an. Feilen an dem guten Bild, das wir selber und andere von uns haben sollen.

Das sorgt dafür, dass wir schwer zu schleppen haben, wenn wir an Grenzen kommen. Wenn es schwierig wird. Wenn es keinen Grund mehr zum stolz sein gibt. Wenn wir uns Arroganz nicht mehr leisten können. Wenn wir Hilflosigkeit und Angst und Fehler im Gepäck haben. Wenn wir die Koffer aus eigener Kraft nicht weitertragen können.

Dann wird klar, dass wir etwas ganz anderes brauchen: Hilfe, Barmherzigkeit, Vergebung.

Gut, dassJesus in uns was anderes erkennt als Leute,die volle Koffer schleppen. Jesus sieht in uns Kinder Gottes. Die zu ihm gehören. Die mit ihm leben können. Die in den Himmel gehören. Jesus sagt: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11,28)

Paulus empfiehlt: Mistet aus!„Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ (1 Petrus 5,7). Überlegt, was wirklich wichtig ist. Und macht dafür Platz.

 
Ich packe meinen Koffer und frage nach dem Glauben

Paulus schreibt, was er glaubt. Das predigt er. Dafür sitzt er im Gefängnis.

Was ist unser Glaubensbekenntnis? Was hält uns? Wozu stehen wir? Wieso, könnten Sie jetzt sagen, haben wir doch gerade aufgesagt. Glaubensbekenntnis. Ich glaube an Gott… Stimmt.Das ist der Nenner auf den sich Christen im vierten Jahrhundert einigen konnten. Und mühsame Einigungen sollte man nicht mutwillig brechen.

Aber was ist Ihr ganz eigenes Glaubensbekenntnis? Vielleicht: In meinem Leben war ich lange verunsichert, es war ein Hin- und Her, bis Jesus mich gefunden hat.Jetzt bin ich durch ihn gehalten und gefestigt.

Vielleicht: Gott war in meinem Leben immer irgendwie da. Am Anfang habe ich einfachgeglaubt, was ich gehört und gesehen habe. Inzwischen habe ich selbst viel mit Gott erlebt. Daran kann ich mich festhalten. Vielleicht: Ich bin immer noch auf der Suche. Manchmal spüre ich es fast körperlich: Ich bin nicht alleine. Das gibt mir soviel Gutes. Ich glaube, das ist Gott. Ich möchte noch mehr erfahren.

Vielleicht: Ich bin schwach. Ich brauche täglich Hilfe. Von Gott kommt jeden Tag meine Lebenskraft. Er lässt mich nicht aus seinen Händen. Jesus Christus bringt mich am Ende nach Hause zu Gott, zu seinem und meinem Vater. 

Eigene Glaubensbekenntnissebleiben nicht im Koffer. Sie helfen uns, anderen vom Glauben zu erzählen. Weil sie dann von uns hören, wie es sein kann, mit Gott zu leben. Solche Glaubensbekenntnisse machen Menschen neugierig auf ein Leben mit Gott.

 

Wir werden noch öfter unsere Koffer packen. Für schöne Urlaube. Für Krankenhausaufenthalte. Für Geschäftsreisen. Für Umzüge. Ich wünsche uns, dass wir dafür sorgen, dass das Richtige drin ist.

Paulus empfiehlt auch, eine Riesenportion Sehnsucht in den Lebenskoffer zu packen. Sehnsucht nach mehr, als wir sehen und anfassen können. Sehnsucht nach dem, was noch auf uns wartet. Sehnsucht danach, dass wir einmal Gott begegnen. Dass alle Fragen beantwortet werden, alle Tränen abgewischt und alle unsere Macken ausgebügelt. Dass endlich alles gut wird. 

Natürlich sind wir in diesem Leben zu Hause. Das ist gut so. Aber aufmerksam bleiben für die himmlischen Momente, die schon jetzt da sind. Dankbar dafür.  Leben nach den Spielregeln der kommenden Welt Gottes, um die himmlische Zukunft schon zu schmecken - mit dem Leben in der Unvollkommenheit. Besser geht´ s hier nicht. 


Amen.