Evangelische Gemeinde
Deutscher Sprache
in Jakarta


​Liebe Gemeinde, Kleine und Große,

Die Jünger, die zusammen mit Maria ans Grab gekommen waren, sind schon längst wieder auf dem Rückweg. Dass Jesu Leichnam verschwunden war, konnten sie sich nicht erklären. Maria konnte es auch nicht. Aber sie bleibt da. Sie kann und will nicht nach Hause gehen.

 


Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, beugte sie sich in das Grab hinein und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo der Leichnam Jesu gelegen hatte. Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. 

Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir: Wo hast du ihn hingelegt? Dann will ich ihn holen.

Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister! Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. 

Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: »Ich habe den Herrn gesehen«, und was er zu ihr gesagt habe.



Johannes 20,11-18

Gott schenke uns ein Herz für sein Wort und ein Wort für unser Herz.

Amen

 

Liebe Gemeinde, Kleine und Große,

Maria bleibt. Sie rennt nicht davon, sie weicht nicht aus undschaut in das leere Grab, obwohl es fast unerträglich ist.

Darum sieht Maria von Magdala mehr als die Jünger,zwei seltsame Gestalten,die fragen: „Was weinst du?“Das klingt mitfühlend.

Österlicher Trost beginnt mit der mitfühlenden Frage „Was weinst du?“ - „Was ist mit dir los?“

Unsere biblische Geschichte geht überraschend weiter.

Jesus ist nicht weit weg, ja er steht bei der weinenden Maria. Aber sie erkennt ihn nicht, so viele Tränen fliessen. Sie hält ihn für den Friedhofsgärtner.Doch wer könnte einem an diesem Trauerort besser weiterhelfen als der Gärtner. Er versteht, wie gut es Trauernden hilft, wenn das Andenken an den Verstorbenen in Ehren gehalten und ein Grab gepflegt wird.

Es ist doch verständlich und Maria hat recht, wenn sie nicht begreift, dass Christus ganz nahe bei ihr ist.

Das wiederholt sich doch ständig. Christus ist da. Er ist um uns und bei uns.

Geht uns das Herz weit auf bei der Osterbotschaft? Wie oft wirdJesus von uns nicht wahrgenommen? Das Problem liegt nicht bei ihm, sondern bei uns: unsere Augen sind verschlossen für ihn.

„Was weinst du denn jetzt?“ – so lautet auch seine Frage an Maria. Er ist bei ihr in ihrem tiefen Schmerz. Er steht bereit, um die Tränen zu trocknen, auch füruns tun. Er kann unser Herz für seine Gegenwart öffnen. Dann begreifen wir, dass er der Lebendige ist.

In der Ostererzählung geschieht dieses Wunder ganzschlicht:Jesus spricht zu ihr ein Wort, er nennt sie bei ihrem Namen: „Maria“! Und es ereignet sich die prophetische Verheißung von Jesaja 43,1: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ 

Jesus nennt Maria bei ihrem Namen, so wie wir bei unserer Taufe bei unserem Namen genannt werden: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ 

Dieses Wunder geschieht auch heute: Wir sind gekommen, um die biblischen Lesungen vom Ostergeschehe zu hören. Wir singen unsere fröhlichen Osterlieder, aber wie dicht kommen siean uns heran?Wie tief sind wir in unseren Lebenszusammenhängen verhaftet! Doch dann die Stimme des Auferstandenen:„Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ 

 

Alle können nach vorne kommen und einen persönlichen Segen empfangen:„Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ 

 

Maria antwortet darauf mit: „Rabbuni!“Das bedeutet:Mein Lehrmeister. 

Das ist er, das bleibt er: Jesus Christus, mein und unser Lehrmeister. Unser Glauben ist nicht fertig, immer wieder brauchen wir es, dass Jesus uns sieht und fragt „Was weinst du denn jetzt?“

Maria würdeJesus gerne umarmen, ihn festhalten. Das gelingt nicht. Sie bekommt nicht einfach ihren alten Jesus zurück und alles wird wie früher.

Auch unsere Traurigkeiten und Sorgen werden am Ostertag nicht einfach weggewischt. Es wird nicht wie früher, aber es wird anders: Wir sind nicht allein, er sieht uns, er fühlt mit uns, er ist spürbar nahe.

Erfüllt von der neuen Wirklichkeit bekommt Maria von Jesus den Auftrag, zu den Jüngern zu gehen und die gute Botschaft weiterzugeben.

Jesus wird zum Vater gehen, der auch unser Vater ist.

Maria geht losund verkündigt den Jüngern: „Ich habe ihn gesehen“.

Dass Maria nicht einfach zufrieden ist über ihre wunderbare Jesusbegegnung kann uns den Weg weisen. Die Osterbotschaft ist etwas so Kostbares und so Heilsames, dasssie unbedingt weitergegeben werden will. 

Von Maria zu den Jüngern. Und die werden daraufhin auch aufstehen und diese Botschaft weitergeben. Weiter und weiter, bis sie heute auch uns und viele erreicht.Dann ist der Ostertag wirklich ein Fest- und Freudentag!

Amen.​​



Pfarrerin Jutta Seifert


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Puspita Loka III - 2

15321 Tangerang / BSD

Predigt am osterSonntag