Pfarrerin Jutta Seifert

Johannes 2,1-11

Dank für Gottes reiche Gaben in Korinth

Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christus Jesus, dass ihr durch ihn in allen Stücken reich gemacht seid, in allem Wort und in aller Erkenntnis. Denn die Predigt von Christus ist unter euch kräftig geworden, sodass ihr keinen Mangel habt an irgendeiner Gabe und wartet nur auf die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus. Der wird euch auch fest machen bis ans Ende, dass ihr untadelig seid am Tag unseres Herrn Jesus Christus. Denn Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.


Evangelische Gemeinde
Deutscher Sprache
in Jakarta


Predigt zum zweiten Sonntag nach Epiphanias


Jalan Nusa Indah Blok J 1 - No.17

Puspita Loka III - 2

15321 Tangerang / BSD

Gott schenke uns ein Herz für sein Wort und ein Wort für das Herz.“Amen.


Liebe Gemeinde,

liebe Schwestern und Brüder in Christus,

 

Gerade habe ich den Beginn eines Briefes vorgelesen. Natürlich möchte Paulus uns motivieren, dass wir darin weiterlesen.

Was und wie und wozu schreibt Paulus?

Er beginnt mit einem überschwänglichen Dank, man könnte auch sagen Lob für die korinthische Gemeinde: „Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen“.

Allezeit! Nichtsdestotrotz folgt dann allerdings kurz danach einescharfe Auseinandersetzung!

In der kleinen Gemeinde der damaligen Weltstadt Korinth geht es heftig zu. Verschiedene Gruppierungen sind durch Streitigkeiten entstanden und grenzen sich immer extremer voneinander ab.

Mit seinem Brief will Paulus Orientierung geben, worauf zu achten ist, damit nicht das Wesentliche des Glaubens kaputt gemacht wird.

Und wie oft in seinen Briefen endet er im 16. Kapitel wieder sehr versöhnlich: „Alles, was ihr tut, geschehe in der Liebe“(1. Kor. 16, 4).

Trotz all der anstehenden scharfen Auseinandersetzungen bleibt der Briefanfang vom Dank bestimmt.

 

Schauen wir genau hin: Paulus dankt nicht den Korinthern, sondern er dankt Gott: „Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen…“(Vers 4)

Danken wofür in dieser durch Streit und Unruhe aufgeregten Gemeinde?

Auch wir leben in unruhigen Zeiten: Niveaulose, verleumderische und hasserfüllte Angriffe dürfen anscheinend selbstverständlich ungeahndet gemacht werden. Durch die sozialen Medien werden die vergifteten Botschaften schnell und weit gestreut.

Wir leben in unruhigen Zeiten: In diesem Jahr sind Wahlen in Indonesien, in Europa, in Deutschland.

In diesem Land und in vielen anderen Ländern werden Kirchen zunehmend bedrängt und verdrängt.

Wir leben in unruhigen Zeiten: Unsere Gemeindefinanzen sind verschwindend klein, ja sie fast am Ende. Unsere Gemeinde Jakarta, meine Pfarrstelle stehen auf der Kippe. Auf der Regionalkonferenz in Chennai, wo ich in der nächsten Woche mit meinen Kollegen und Kolleginnen aus Südostasien sein werde, wird unsere Gemeindezukunft mit der EKD besprochen werden.

Da ist der heutige Text genau der richtige Anlass, Gott trotzdem zu danken. Versuchen wir es:

Ich bin froh und dankbar, dass wir hier in der GKI Pondok Indah unseren Gottesdienst ungestört feiern können.

Ich bin froh und dankbar, dass trotz meiner Abwesenheit in den nächsten Wochen der Weltgebetstag in ökumenischer Weite zusammen im katholischen

Gemeindezentrum Pejaten gefeiert wird.

Gottesdienst feiern und christliche Gemeinschaft erleben – das ist unsergemeinsames Anliegen. Paulus formuliert es mit einem ganz weiten Herzen: „…dass ihr durch ihn in allen Stücken reich gemacht seid, …sodass ihr keinen Mangel habt an irgendeiner Gabe“ (Verse 5 und 7)

Gilt das auch für uns?

Ich phantasiere mal ein wenig:

Die Pfarrerin verletzt sich bei einem Sturz schwer.

Der GKR-Vorsitzende Hubert Born erfährt es erst kurz vor dem Gottesdienst.

 

Was geschieht nun? Schickt er alle, die bereits gekommen sind, enttäuscht zurück nach Hause?

Könnte es nicht auch so sein, dass die OrganistinMelina sagt: „Ich habe ja den Ablauf von der Pfarrerin bekommen. Lasst uns doch wenigsten zusammen singen!“

 

Danach liest eine Gottesdienstteilnehmerin, z.B. Susanne, den Wochenspruch aus dem Gemeindebrief vor; der Psalm wird gemeinsam gebetet.

Kurt liest die Schriftlesung, und danach wird ein zweites Lied gesungen.Traute erzählt für alle die Geschichte, die sie für die Kinder vorbereitet hat, und zu zweit oder in kleinen Gruppen wird darüber ausgetauscht und mit den Kindern gemalt oder gespielt. Vielleicht hat jemand etwas besonders Tröstliches oder Erstaunliches in der vergangenen Woche erlebt und erzählt davon? Vielleicht hat jemand ein besonderes Lieblingslied und wünscht sich, dass es gemeinsam gesungen wird? Es werden Anliegen gesammelt für die Fürbitten, vielleicht auf Zettel geschrieben und zum Altar gebracht. Danach wird das Vaterunser gebetet, die Kollekte eingesammelt und ein Segenslied zum Abschluss gesungen. Danach sitzen und stehen alle wie gewohnt zusammen bei Kaffee und Keksen und irgendwie geht jeder und jede gestärkt nach Hause …

 

Unzählige Gnadengaben – auch mitten unter uns.

Paulus sagt es zu den Korinthern: „…sodass ihr keinen Mangel habt an irgendeiner Gabe“ (Vers 7)


Gnadengaben gibt es in jeder Gemeinde, manchmal schlummern sie nur still vor sich hin.

Der Glaube, das Vertrauen in den, der uns das Leben gibt, ist für Paulus die Basis für die Gemeinschaft: „Der wird euch auch fest machen bis ans Ende, dass ihr untadelig seid am Tag unseres Herrn Jesus Christus. Denn Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn. “ (Vers 8 und 9)

Also: Nur Mut und Zutrauen zu den eigenen Gaben.

Mit diesen Gedanken im Herzen könnten Sie heute Abend noch einen Brief, eine E-Mail oder WhatsApp-Nachricht schreiben, an eine kranke Nachbarin, an den widerspenstigen Bruder, oder an die vielbeschäftigte Tochter…

Vielleicht auch anrufen, um Mut zu machen, um zu trösten, um zu danken.

„Denn Gott ist treu!“


Amen