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Einen andern Grund kann niemand legen, als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. 

1. Korinther 3,11


„Gott schenke uns ein Herz für sein Wort und ein Wort für das Herz.“Amen.

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Liebe Schwestern und Brüder im Glauben,

am heutigen Reformationstagfiel mir die Wahl des Predigttextes leicht. Heute geht es um das biblische Wort, das über dem Reformationstag steht.

1. Korinther 3,11: Einen andern Grund kann niemand legen, als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Paulus verwendet das Bild vom Hausbau, genauer vom Bau eines Tempels. Jesus Christus ist die „Grundlage“ für dieses Haus, also das Fundament, der „Untergrund, den man später gar nicht mehr sieht. Wenn man die ersten Anfänge nicht miterlebt hat bleibt die Basis den Blicken verborgen.

So wie Paulus damals sind auch wir nie dem leibhaftigen Jesus begegnet, bleibt er unseren Blicken verborgen wie das Fundament eines Hauses. Aber die Stabilität des Fundaments ist entscheidend für den gesamten Bau. Der Grundriss ist entscheidend für alles, was darauf gebaut wird. Und dieses Fundament liegt – nein besser: es ist gelegt. Das ist eine passive Redeweise. Paulus sagt nicht: Jesus Christus hat sich selbst zum Fundament des Tempels, der Kirche, der Gemeinde, gemacht. Sondern: Jesus Christus, ist als Fundament gelegt worden.

Ja von wem? Selbstverständlich ist Gott gemeint. Paulus formuliert hier wie jeder fromme Jude: Weil Gottes heiliger Name nicht unnötig ausgesprochen werden soll, wird im Judentum gerne im Passiv formuliert – genau wie im Indonesischen, denn dann wird kein Subjekt, beziehungsweise kein Verantwortlicher genannt. Z.B.: „Das wird erledigt“ statt „Ich erledige das“ oder: „Dieses Schreiben wird an Sie geschickt“ statt „Ich schicke ihnen dieses Schreiben zu“. Ins Aktiv übersetzt heißt „Einen andern Grund kann niemand legen, als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus“ also im deutschen Klartext„Einen anderen Grund kann kein Mensch legen, als den, den Gott selbst gelegt hat: Jesus Christus“.

Gott ist der Urgrund dieser Grundlegung. Sie merken schon: das Wort „Grund“ lädt uns zu Wortspielen ein. Frage:Welche Wörter fallen Ihnen einmit„Grund“?

Grundsatz, Grundwort, Grundrechenarten, Grund und Boden, „In einem kühlen Grunde da geht ein Mühlenrad“ (Das zerbrochene Ringlein),„Im schönsten Wiesengrunde ist meiner Heimat Haus“, zugrunde legen, gründen, gründlich, …

Unsere wunderbar vielfältige deutsche Sprache sagt uns: Jesus Christus ist die Grundlage der Kirche und des christlichen Glaubens. Sein Name ist das christliche Grundwortschlechthin, nach ihm nennen wir uns Christen.

Mir wird das deutlich, wenn ich Menschen in schwierigen Lebenssituationen begleite. Solange es das Leben gut mit uns meint, ist unser Fundament nicht groß in Frage gestellt. Wenn aber Krankheit, Behinderung, Unfall, eine lange Haftstrafe, … in die Quere kommen, dann werden wir zutiefst erschüttert.

Und wenn dann noch Mitchristen einen vom Leben geprüften Menschen belehren wollen, er oder sie müsse ganz einfach mehr beten, mehr glauben und zum richtigen Prediger gehen (der niemals ein Frau ist), dann zeigt sich ganz traurig, an welch furchtbares  GottesbildMenschen glauben können:Ein Gott, der hinter dem nächsten Baumnur darauf wartet bis ich vorbeikomme, um mir wieder eins auswischen zu können - das ist doch nicht der Gott der Bibel, das ist doch kein Fundament für Glauben, für Vertrauen!„Einen anderen Grund kann kein Mensch legen, als den, den Gott selbst gelegt hat: Jesus Christus“.

Auch wenn im Leben alles drunter und drüber geht, wenn Krankheit und Behinderung und Eingesperrtsein über meinen Alltag bestimmen, dann vertraue ich trotzdem darauf, dass Gott immer noch derselbe Gott ist, der es gut mit mir meint. Nur aus diesem Grund hat er Jesus Christus zu uns gesandt, damit er uns, damit er mir zeigt, dass Gott michführt und erquickt und im dunklen Tal begleitet. Mein Fundament ist Jesus Christus, und von ihm kann mich gar nichts trennen: weder Hohes noch Tiefes, weder Leiden noch Angst,weder Leben noch Tod. Er hält mich fest an seiner Hand. Er wird mich zu seinem himmlischen Vaterbringen in die Ewigkeit. Diesem Fundament habe ich mich anvertraut.

Um solche Wahrheit in Glaubensfragen ging es dem Reformator Martin Luther vor 500 Jahren. Als er für seine Vorlesungen intensiv die Bibel gelesen hat, wurde ihm klar: Es stimmt nicht was seine Kirche behauptete. Die Kirche kann nicht die Strafe für Sünden gegen die Zahlung von Geld verkürzen. Davon fand er nichts in der Bibel. Darüber wollte Luther diskutieren. Und deshalb hat er 95 Thesen verfasst und an die Tür der Kirche in Wittenberg geschlagen oder auch nur verschickt, es gibt ja weder Beweisfotos noch Youtube-Videos. Egal ob angeschlagen oder nicht, die Thesen schlugen ein wie der Blitz. Wie konnte ein kleiner Professor aus Wittenberg es wagen, die Lehre der Kirche anzuzweifeln?

Trotz aller Widerstände legte Luther noch nach: Was ist mit dem Zölibat? Auch davon steht nichts in der Bibel. Oder: Wenn Christus unter uns gegenwärtig ist, warum brauchen wir dann einen Papst als seinen Stellvertreter? Warum soll das Leben im Kloster ein besseres Leben vor Gott sein, als ein Leben mitten in der Welt, in der Familie, als Handwerker? Wo steht denn das geschrieben?

Mit solchen Fragen hat Luther eine Auseinandersetzung angetreten, die die Kirche, aber auch ganz Europa, ja die Welt verändern sollte.Wahrheit wurde zur Machtfrage.

Ihm lag daran, dass alle sich an diesem Streit um die Wahrheit beteiligen können. Darum hat er die Bibel in die deutsche Sprache übersetzt und Schulen für alle gefordert. Unsere evangelische Kirche ist deshalb eine, in der nicht ein Bischof, eine Pfarrerin oder eine Synode entscheidet, was richtig oder falsch ist. Nein, wir diskutieren darüber, alle miteinander. Eine Evangelische Synoden ist zusammengesetzt aus Männern und Frauen, Jungen und Alten, Ordinierten und Laien. Jeder und jede hat da das gleiche Stimmrecht. Und da gehört es dazu, dass jemand aufsteht und sagt: Ich sehe das anders. Das ist gut und wichtig. Die Gemeinde schweigt nicht, sondern sie kann, ja sie soll sich beteiligen.

Dazu sind Sie nachher alle auch in die Gemeindeversammlung eingeladen.

So viele Meinungen, das ist nicht immerleicht auszuhalten. Es gibt genug Menschen, die sich jemand wünschen, der mal ein Machtwort spricht.

Doch Luthers fundamentale Erfahrung ist, dass jeder Christenmensch das eigene Gewissen immer wieder neu an der Bibel orientieren muss, dass immer wieder neu durch die Bibel nach einer Wegweisung gesucht wird. Das ist unser Fundament.

Martin Luther meint: „Glaube ist eine lebendige, verwegene Zuversicht auf Gottes Gnade. Und solche Zuversicht macht fröhlich, mutig und voll Lust zu Gott und allen Geschöpfen.“

Aus diesem Grund lasst uns nun getrost und fröhlich Abendmahl feiern.



​Amen.

 


 




Pfarrerin Jutta Seifert

Predigt am 03. november 2019: "Reformationssonntag"




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