Evangelische Gemeinde
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Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich erschaffe Jerusalem zur Wonne und sein Volk zur Freude, und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen, sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt, und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht. Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen.  Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein anderer esse. Denn die Tage meines Volks werden sein wie die Tage eines Baumes, und ihrer Hände Werk werden meine Auserwählten genießen.Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder für einen frühen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des HERRN, und ihre Nachkommen sind bei ihnen. Und es soll geschehen: Ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören. Wolf und Lamm sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange muss Erde fressen. Man wird weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR.


Jesaja 65, 17-25



Gott schenke uns ein Herz für sein Wort und ein Wort für unser Herz. Amen.

 
Liebe Gemeinde,

liebe Schwestern und Brüder in Christus,

Ein schöner Traum von einer besseren Welt!

Wie wäre es, in einer Welt zu leben, wo man seine Kinder gefahrlos überall spielen lassen kann?

Wo Menschen, die hart arbeiten, von den Früchten ihrer Arbeit leben können?

Wo Altersschwäche die einzig bekannte Todesursache ist, und man zu Hundertjährigen sagt: "Das ist doch noch kein Alter!?“

Eine Welt, in der selbst die Gewalt in der Natur ein Ende hat, weil der Kreislauf von Fressen und Gefressen aufhört und Wolf und Schaf nebeneinander weiden?

Ein schöner Traum …

 

Blicken wir kurzzurück aufdie geschichtliche Situation, in die der Prophetdiese Worte vor rund 2500 Jahren gesprochen hat. Endlich durften die Israeliten nach 50 langen Jahren im Babylonischen Exil in ihre Heimat zurückkehren. Doch was für ein armseliger, enttäuschender Neuanfang! Jerusalem und der Tempel in Trümmern, das Land verwüstet, die Äcker zugewuchert. Die Folgen: Eine hohe Säuglings- und Kindersterberate, weinende Mütter und verbissen schuftende Väter. Für ein auskömmliches Leben fehlte es an allem, und trotzdem forderten die alten Machthaber unbezahlbar hohe Abgaben.


Eine Sackgasse, was und wie man auch reagiert, alles scheint zwecklos zu sein, überall landet man in einer Sackgasse. Wie kann es denn weitergehen?

Vielleicht kennen Sie ähnliche Gefühle aus dem eigenen Leben?

In der Ehe: Zu viel ist schiefgelaufen, der Schaden ist irreparabel für das Miteinander.

Bei den Eltern oder Schwiegereltern: Ein zunehmend schlechtes Gewissen, weil man selbst nicht mehr Zeit und Kraft hat zum Dableiben. Man muss hinnehmen, dass die alten Menschen in einer gefährlichen Weise allein bleiben – was sie oftmals gerne wollen, aber nicht mehr können.

Im Beruf: Die Beziehungen zu den Kollegen sind angespannt, getroffene Entscheidungen bleiben unumkehrbar, keine Verbesserung in Aussicht.

Wie naheliegend ist der Impuls: Es müsste ein Neuanfang her. Nur weg von hier!

So ähnlich geht es Israel.

Und es scheint, als würde es Gott auch so gehen. Denn er verspricht: Ich fange noch einmal ganz neu an.

Im hebräischen Urtext steht dasselbe Verb wie in der Schöpfungsgeschichte: barah – erschaffen, aus dem Nichts ins Leben rufen. Gott, der schon einmal alles Dasein ins Leben gerufen hat, der sagt: Ich erschaffe eine neue Chance, einen neuen Himmel, eine neue Erde.

Ich suche mir dafür kein anderes Volk, keine anderen Menschen. Ich fange mit euch ganz neu an.

 Und diesmal, diesmal machen wir's richtig.

Ein schöner Traum …

 

„Ach, du liebe Zeit“, sagt die Frau mit leisem Schreck in der Stimme und hält sich die Hand vor den Mund. „Jetzt hab´ ich ja grad richtig gelacht, - das ist…glaub ich, das erste Mal, seit mein Mann…, also seit der Beerdigung … – Darf ich denn überhaupt schon wieder lachen?“

Ja, es gibt Tage, Wochen, Monate, Jahre,in denen man glaubt, nie mehr so wie früher lachen zu können, überhaupt noch einmal Momente der Leichtigkeit zu erleben, ähnlich wie im Nebel, wenn dieSonne plötzlich hervorbricht.
„Darf ich denn wieder lachen?“ „Kann ich aus dem Nebel, aus dem Dunkel des Leides herauskommen?“
Auf diese Frage antwortet mit klarer Stimme, unmissverständlich,der Predigttext für den heutigen Ewigkeitssonntag. Um Himmels Willen: Ja!  Du darfst!Und es ist möglich! Gott schafft Neues, auch neues Glück.


Liebe Schwestern und Brüder in Christus,
wie Balsam auf die schmerzhaften Wunden des Lebens sind diese Worte und Bilder vom Neubeginn.

Bilder die lindern und heilen und beleben.
Wir Christen und Christinnen haben sehr schöne Bilder und Geschichten für ein neues Leben. Sie begegnen uns in Christus, im Menschensohn, Jahrhunderte nach Jesaja geboren.

Der die Hungrigen speist, damit alle satt werden.
Der die Kranken liebevoll berührt und ihre Schmerzen vergessen macht.
Der die Kinder in die Mitte stellt und lacht.
Der Wein trinkt und auf die Frauen hört.
Der hinabsteigt in das Reich des Todes und den tödlichen Mächten ein Ende setzt.

Der Bilderbogen spannt sich über die Evangelien bis zum letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes. Im 21. Kapitel der Offenbarung, das wir vorhin als Schriftlesung gehört haben, werden die Jesajaworte zum Teil wörtlich aufgenommen, mit einem entscheidenden Unterschied: „Und der Tod wird nicht mehr sein.“ 

Im Kreuz Jesu berührt dieser gewaltige Hoffnungsbogen unsere Erde.  Am Kreuz werden der neue Himmel und die neue Erde in unserer Realität verankert. Hier nimmt Gott Anteil an unseren Tränen, unseren Enttäuschungen,an all den schrecklichen Entstellungen dieser Welt. Der Totensonntag wird zum Ewigkeitssonntag durch Jesus Christus, der sein Leben hingibt, um sein Versprechen für uns festzumachen:„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt.“Diese feste Hoffnung verbindet uns schon jetzt zu einer Gemeinschaft, in der wir miteinander hören und beten und Abendmahl feiern: „Ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören.“ 

Amen.

 

Predigt zum ewigkeitssonntag

25. November 2018

Gebet für Sulawesi und Lombok


Himmlischer Vater,

Seitdem die Erde gebebt hat sind die Menschen auf Sulawesi und Lombok  und Sumba von Angst und Trauer gepackt.

Der Tsunami hat das Leben und die Existenz von so vielen Menschen vernichtet.

Sie fürchten sich vor weiteren Beben.

Sie fürchten sich vor dem, was noch kommen mag.

Immer wieder erinnern sie sich an die furchtbaren Minuten und schreckliche Bilder quälen sie.

Leichen müssen in Massengräber gelegt werden.

Immer noch werden weitere Tote entdeckt unter den Trümmern und dem Schlamm.

Es fehlen Wasser, Lebensmittel, Zelte.

Tröste die Hilflosen, o Gott, in diesem Leid.

Sei ihnen ein Fels, wenn der Boden erschüttert wird.

Birg sie unter den Flügeln deiner Barmherzigkeit, damit sie dort Ruhe finden.

Öffne unsere Herzen und Hände um zu helfen, wo es uns möglich ist.

Lege deinen Schutz und Segen auf diese Inseln und Indonesien.

Unsere Hilfe steht bei dir, der du Erde und Himmel in deinen Händen hältst.

Amen.

Pfarrerin Jutta Seifert