Evangelische Gemeinde
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in Jakarta


 Liebe Amalie, liebe Festgemeinde,

Heute konzentrieren wir uns auf die Farbe Rot.

So sind heute die liturgischen Tücher am Altar.

Rot ist eine kostbare Farbe.

Früher war das Purpurrot Kaiser und Königen vorbehalten, später den Kardinälen.

Rot ist die Farbe der Liebe: Rote Herzen, rote Rosen, roter Kussmund.

Rot gilt auch als aggressive Farbe. "Das ist für mich wie ein rotes Tuch" bedeutet: Das reizt, das fordert mich heraus.
In der Kirche ist Rot die Farbe für den Heiligen Geistes. Er fordert Menschen heraus und befähigt sie zur Liebe.

Die Pfingstgeschichte erzählt, dass er wie loderndes Feuer und tosender Wind die verängstigten Jünger und Jüngerinnen herausholt aus ihrem Versteck und sie verändert. Es gelingt ihnen, ihren Glauben überzeugend und kraftvoll und verständlich weiterzugeben. So wächst christliche Gemeinde.

An Pfingsten ist deshalb natürlich Rot die liturgische Farbe.

Auch an anderen Festtagen haben wir rote Tücher in unseren Gottesdiensten, die uns erinnern, wie Gottes Geist Menschen befähigt hat, über sich hinauszuwachsen, andere zu erstaunen und zu überzeugen:

Am 31. Oktober erinnern wir uns an die Reformation.

Am 26. Dezember erinnern wir uns an Stephanus, der als erster Diakon zur Hilfe für die Witwen und Armen in Jerusalem gewählt wurde und dort gesteinigt wurde.

Das Rot bei der Konfirmation erinnert uns daran, dass Gottes Geist uns befähigt, in seiner Liebe zu leben.

Rot ist eine kostbare Farbe, haben wir vorhin gehört, für Kaiser und Könige. 

Auch Blut ist ein kostbarer roter Saft, lebenserhaltend und lebensrettend.

Das Leben von Jesus Christus, seine leidenschaftliche Verkündigung von der Liebe seines Vaters im Himmel, sein Einsatz für uns Menschen, sein Mitleiden, hat unsere Welt zutiefst geprägt. Er hat alles riskiert, sein Leben hingegeben für diese Botschaft, bis zum Tod am Kreuz.

Sein leidenschaftliches Werben für das Reich Gottes endete nicht am Kreuz - es lebt weiter durch die Menschen, die sich ihm anvertrauen.

Eine unsichtbare Kraft, genannt „Heiliger Geist“ hat sich ausgegossen in die Herzen der Menschen und bringt die Botschaft Jesu weiter in die Welt bis zum heutigen Tag.

Wir alle wären heute nicht hier, wenn dieser Geist nicht immer noch und immer wieder neu unsere Herzen berühren würde. Er hat uns zusammenführt zu einer Gemeinschaft, nämlich der Kirche, zu der du, liebe Amalie, dich heute in neuer Deutlichkeit bekennst.

Dieser Geist Gottes beflügelt uns zum liebevollen Einsatz für andere Menschen, beflügelt uns zu neuen Ideen, beflügelt uns mit dem Mut, einzustehen für unseren Glauben.

 

Liebe Amalie, liebe Konfirmationsgemeinde!

Manchmal ist es schwer, zu dem zu stehen, was man wirklich denkt, was man wirklich für wichtig und überzeugend hält. Vor allem, wenn es nicht so ganz dem mainstream entspricht. Wenn das Risiko entsteht, sich zu blamieren oder ausgegrenzt zu werden.

Da kommt schnell der Gedanke: Das soll besser niemand wissen. Ich will mich nicht verletzen lassen.

Aber manchmal muss es sein. Das spürt man dann ganz deutlich in sich: Egal, was andere denken, ich muss jetzt Farbe bekennen. Ich möchte sagen, was und wer mir wichtig ist, ich will zu dem Menschen stehen, den ich liebe.

Es ist ein Risiko dabei, trotzdem muss es heraus.

Farbe bekennen. Zu seiner Meinung stehen.

Es gibt Zeiten und Orte, da kann es lebensgefährlich sein.

Ich denke an Jesus Christus.

Ich denke an Sophie Scholl und Dietrich Bonhoeffer.

Ich denke an Martin Luther King.

Ich denke an die Christen in Sri Lanka.

Sich zu einem Menschen, zu einer Idee, zu einer Tat zu bekennen, das erfordert immer Mut und vor allem die innere Überzeugung, dass es der Mensch oder die Sache wert ist.

 

Du Amalie bekennst dich heute auch zu etwas, zu jemandem.

Du sagst „ja“ zu deiner Taufe.

Du bekräftigst (=confirmare) die Entscheidung, die deine Eltern für dich getroffen haben.

Du sagst „Ja“ zu einem Leben, das unter der Begleitung Jesu Christi steht und das rot sieht, wenn lebensfeindliche Kräfte oder Gleichgültigkeit Menschen herabwürdigt.

Du sagst „Ja“ zu einem Leben mit Herzenswärme und Mitgefühl. Einfach weil du erkennst, dass da ein Wert dahintersteht, für den sich dein Einsatz lohnt.

Ich wünsche uns allen, dass wir das heute mit dir gemeinsam hören, spüren, annehmen und bekennen.

Gott behüte dich auf allen deinen Wegen!


Amen.​​



Pfarrerin Jutta Seifert

Rot ist die Liebe


Jalan Nusa Indah Blok J 1 - No.17

Puspita Loka III - 2

15321 Tangerang / BSD

Predigt zur Konfirmation