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Erntedank am 6. Oktober 2019

Die zehn Aussätzigen


Und es begab sich, als er nach Jerusalem wanderte, dass er durch das Gebiet zwischen Samarien und Galiläa zog. Und als er in ein Dorf kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer; die standen von ferne und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser! Und da er sie sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, als sie hingingen, da wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, als er sah, dass er gesund geworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm. Und das war ein Samariter.  Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn rein geworden? Wo sind aber die neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremde? Und er sprach zu ihm: Steh auf, geh hin; dein Glaube hat dir geholfen.

Lukas 17,11-19


 „Gott schenke uns ein Herz für sein Wort und ein Wort für das Herz.“Amen.

Liebe Gemeinde,

liebe Schwestern und Brüder in Christus,

 

"Undank ist der Welt Lohn", sagt das Sprichwort. Man könnte meinen, die Geschichte liefe nur auf diese schlichte Erkenntnis zu.

Hautkrank zu sein ist auch heute noch schwer in der Öffentlichkeit, mit Neurodermitis, mit schwerer Akne, mit Schuppenflechte, mit Ekzemen, mit Rosacea.

Zur Zeit der Bibel waren Hautkrankheiten ein offizieller Grund, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden: „Man kann ja nie wissen, könnte ja ansteckend sein…“

Für die Betroffenen war es das gesellschaftliche Aus. Sie mussten außerhalb des Dorfes leben, in Höhlen oder Hütten, durften an nichts mehr teilnehmen und mussten Glück haben, wenn ihre Familien sie weiter versorgten und Essen am Wegrand ablegten.

So wurden die Zehn zusammengeführt zu einer Schicksalsgemeinschaft, verborgen vor den Augen der Öffentlichkeit und schlugen sich irgendwie durch.

Mir stehen beim Lesen dieser biblischen Geschichte die Häftlinge vor Augen, die ich regelmäßig besuche, in Tangerang mit Hilfe von Traute O. und Anne M., auf Bali alleine.

Woher sie kamen und was sie vorher gewesen waren, das wird zweitrangig: Beruf, Name, Schulbildung, Familienstand. Unter normalen Umständen wäre damals der Mann aus Samarien abgeblitzt. Heute ist es der Lebenskünstler, der die vergangenen Jahre irgendwie durch Thailand oder Indien gezogen ist und selbstverständlich Drogen konsumierte.

Doch jetzt gibt es ein gemeinsames Schicksal, das sie verbindet. Sie sind hineingeworfen in eine schwierige Lebenssituation, die bewältigt werden muss. Das gemeinsame Schicksal überbrückt manche Unterschiede, nicht alle natürlich, aber viele. Man leidet, bangt und hofft gemeinsam. Man streitet sich in der aufgezwungenen Beengtheit. Man unterstützt sich - heute wie damals.

Sie erinnern sich: „Da gibt es doch jemand, der helfen kann! Kommt, das lassen wir uns nicht entgehen, auch wenn wir so weit entfernt sind vom Glauben.“ Schaden kann es ja nie, jemand zu bitten, herz zu zeigen und sich ihrer zu erbarmen! Und sei es nur, dass etwas Anderes zum Essen dagelassen wird, das es im kargen Alltag nicht gibt, oder eine hautverträgliche Seife oder etwas zum Lesen in der Einsamkeit.

Jesus gibt ihnen einen Auftrag: „Geht …!“ Er schickt sie zu den Priestern. Ich, wir versuchen sie irgendwelchen Aufgaben zu ermutigen: Regelmäßige Bewegung, vielleicht malen oder schreiben, etwas Neues lernen, zum Gottesdienst gehen…

Damals wie heute mag der eine skeptisch schauen und der andere müde lächeln. Ein paar wollen es probieren: „Das mache ich jetzt einfach! Zu verlieren haben wir ja sowieso nichts…“  

„Und es geschah, als sie hingingen, da wurden sie rein“ so lesen wir weiter. Ich denke mir, dass das Gehen seine Zeit gebraucht hat. So, dass sie es gar nicht gleich merkten. Bis einer sich wunderte: „Du, mein Arm juckt gar nicht mehr.“ Und den andern anschaut und sagt: „Gestern warst du noch knallrot im Gesicht und heute sieht man es nur noch ganz schwach.“ 

Und dann ist die Untersuchung abgeschlossen. „Rein, alles in Ordnung!“, sagte der Priester nachdem der Leibesvisitation des Ersten.

Oder die Remission ist durch: „Ihr Entlassungstermin!“ Also nichts wie los, zurück ins Leben! „Geschafft!“

Oder wie es sich anfühlt, endlich von einer heftigen Krankheit geheilt zu werden. Auch da kommt etwas ins Wanken für kurze oder gar längere Zeit , muss ein Termin storniert oder verschoben werden, eine andere Person übernimmt Aufgaben, vielleicht sogar die Stellvertretung. Kranksein bringt aus dem Tritt genau wie eine Verhaftung. Sie fragt: Mensch, was ist dir wirklich wichtig? Was bist du wert? Was ist deine Arbeit wert?

Man kann sich diesen Fragen stellen. Man kann sie überhören und einfach weitermachen, als sei nichts gewesen.

Es sind Einzelne, die sich trauen, nach solch einer Unterbrechung im Leben etwas zu ändern. Wie der Samariter in unserer Geschichte. Er kehrt um. Er geht noch einmal zurück an den Ort des Schreckens und erinnert sich: an das Elend, die Demütigungen, die Traurigkeit,  an die Schicksalsgenossen, die sich kaum mehr von ihm verabschiedeten, weil sie es so eilig hatten wegzukommen. Dabei hatten sie doch so viel zusammen erlebt!

Es ist ihm ein tiefes Bedürfnis denjenigen zu treffen, der sich erbarmt und sein Schicksal verändert hat. Persönlich möchte er sich bei  Jesus bedanken, durch  den er die heilvolle Nähe Gottes spüren durfte: „…kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm.“

Dieser Samaritaner kann uns helfen, besser auf das zu achten, was unsere Lebensgeschichte im Guten geprägt hat, um den Segen zu erkennen, den Gott in unser Leben legt.

Deshalb liebe ich die ZEIT-Rubrik: Was mein Leben reicher macht. Hier schreiben Menschen auf, was ihre Welt schön und von innen her reich und lebenswert macht.

Es ist wunderbar, wenn Dank persönlich und konkret ausgedrückt wird. So bleibt uns bewusst, dass wir nicht für uns allein leben. Und dass wir unser Leben nicht uns selbst, sondern vielen anderen verdanken!

Gesundheit, Freiheit, Nicht-Behinderung, ist das eine. Die Dankbarkeit ist nicht weniger. Ein Kranker, der danken kann, eine Behinderte, die danken kann, ein Häftling, der danken kann, ist näher am Leben, an einem inneren heilen Leben als ein sogenannter  gesunder und moralisch unbescholtener Mensch, der nicht weiß, wie Danken geht. Erst mit im Danken geschieht Heil. Erst im Danken vollendet sich der „Schalom “ Gottes: „Steh auf, geh hin; dein Glaube hat dir geholfen“, sagt Jesus. Dank sei Gott!

Amen.

 


 




Pfarrerin Jutta Seifert

Evangelische Gemeinde
Deutscher Sprache
in Jakarta